Integriertes Content-Management auf Basis TIM-RS
Zum letzten TECOM-Feierabendgespräch des ausklingenden Jahres lud die ALSTOM (Schweiz) AG nach Baden ein. Im Mittelpunkt standen die Vorstellung des neu eingeführten Content-Management- und Redaktionssystems und der eingeläutete Wandel in der Gasturbinendokumentation nach dem Motto “ALSTOM-Kundendokumentation Gestern – Heute - Morgen”.
Frau Annette Verhein, Präsidentin der TECOM Schweiz, eröffnete den Abend. Daraufhin ergriff Jürg Schmidli, Vice President des ALSTOM-Gasturbinengeschäfts, das Wort. Sein kurzer Überblick über den ALSTOM-Konzern und die Betonung des Stellenwertes der Firma für die Region leiteten über zum Thema Dokumentation. Daniele Errante stellte anschliessend die Arbeit seiner 13-köpfigen Dokumentationsgruppe vor. In einem Spannungsfeld von Produktentwicklung, Engineering, umfangreicher Zulieferer- und Gesamtkraftwerksdokumentation entstehen Produkthandbücher für die Verkaufsabteilungen, eine am Lebenszyklus orientierte Kundendokumentation, Funktionsbeschreibungen, Wartungsanleitungen und Ersatzteilkataloge für die Gasturbinen.
Hans-Rudolf Steinhauer, CE-Beauftragter und Motor eines steten Modernisierungsprozesses, legte bei seinen Ausführungen den Schwerpunkt auf die Herausforderungen, denen sich Kollegen und Management stellen mussten und auch weiterhin müssen. Die ersten Schritte zur Verbesserung der Dokumentation bestanden darin, eine Bestandsaufnahme durchzuführen und die Fehlerursachen zu bestimmen. Daraus ergaben sich dann Lösungsansätze, die konsequent umgesetzt werden mussten. Konkret hiess das für ALSTOM, ihre Mitarbeiter im Bereich CE-Konformität zu schulen, die Dokumentation anhand der EU-Maschinenrichtlinie und des TECOM-Leitfadens neu zu strukturieren und über interne Richtlinien eine Standardisierung der Arbeitsprozesse zu erzielen. Daraufhin stellte sich die Frage, welche Hilfsmittel die Umsetzung in die Praxis unterstützen könnten. Eine Machbarkeitsstudie lieferte die Entscheidungsgrundlage, ein Pilotprojekt mit einem Redaktionssystem durchzuführen. Der Weg war geebnet für die Einführung eines Dokumenten- und Content-Management-Systems zugeschnitten auf die Bedürfnisse der ALSTOM-Umgebung.
Nun war es an Andreas Witschi, Projektleiter für die Evaluierung und Einführung eines solchen Systems, den Weg von der Idee bis zu ihrer Verwirklichung aufzuzeigen. Wirtschaftliche Aspekte, Kriterien der Effizienz- und Qualitätssteigerung sowie Erwartungen und Anforderungen der zukünftigen Benutzer bildeten das Fundament der Evaluierung. Schnell war klar, dass die Entscheidung zu Gunsten eines am Markt etablierten Systems fallen würde, das so flexibel sein musste, um in die komplexe Systemlandschaft des ALSTOM-Konzerns eingebettet werden zu können. Ausschlaggebend war, in welchem Masse die zur Auswahl stehenden Systeme der Anbieter die Anforderungen von ALSTOM abdecken konnten, zumal alle Funktionen des abzulösenden Vorgängersystems übernommen werden mussten. Die Wahl fiel auf die Firma Fischer-Computertechnik und ihr Produkt TIM-RS. Auf der Grundlage dieses Content-Mangement-Systems entstand das Dokumentationsprojekt IMACS (Instruction Manuals Authoring and Configuration System).
Rainer Börsig, Entwicklungsleiter bei Fischer-Computertechnik zeigte im Anschluss auf, welchen Herausforderungen sich die Softwarefirma mit dem ALSTOM-Projekt stellen muss. Das Redaktionssystem TIM-RS unterstützt im Standard das Erstellen von modularer Dokumentation auf der Basis von Textbausteinen und XML. Grundlegende Prinzipien bilden die Mehrfachverwendung von Textmodulen über verschiedene Dokumentationen, das zentrale und kontrollierte Änderungs- und Übersetzungsmanagement und das Crossmedia-Publishing. Die besonderen Anforderungen bei ALSTOM sind die stücklistenorientierte Dokumentenerstellung, die Verwaltung umfangreicher Zulieferdokumentation im PDF-Format, die Migration eines riesigen Altdatenbestandes und die Integration des Systems in die komplexe Geschäftsumgebung. Hinzu kommt die im Kraftwerksgeschäft notwendige Verknüpfung von Identifikations- und Kennzeichnungscodes mit Gasturbinenkomponenten, Dokumenten und Textmodulen. Herr Börsig konnte die erste Umsetzung des objektorientierten Lösungsansatzes den zahlreichen Interessierten live am System demonstrieren. Bemerkenswert ist dabei die dreiteilige Sichtweise auf Projekt-, Funktions- und Publikationsstruktur. Eine Herausforderung liegt nun in der Verkünpfung der Strukturen über definierte Objekte und die Umsetzung der weiteren Anforderungen im Pilotsystem bis zur Produktivschaltung im April 2006.
Beim anschliessenden Apéro gab es Gelegenheit, Erfahrungen auszutauschen und das Thema weiter zu vertiefen. Ob Redaktor, Dokumentationsleiter, Übersetzer oder IT-Beauftragter für Dokumentationsprojekte, jedem konnte hoffentlich ein kleiner Einblick verschafft werden.
