User Login

Passwort

Passwort vergessen?

TECOM Forum 2006 - zum Thema "Kontrollierte Sprache"

Kontrollierte Sprache – das Forum der TECOM Schweiz

Gregor Schäfer - tekom Deutschland
Am 6. und 7. April fand in Rapperswil das Forum “Kontrollierte Sprache – vom Quelltext zum Zieltext” statt. Zum zweiten Mal veranstaltete der Schweizer Fachverband TECOM ein Forum für Fachleute aus der Technischen Kommunikation sowie aus angrenzenden Branchen.

Veranstaltungsort war die Hochschule für Technik, die direkt am Züricher See liegt. Rund 150 Teilnehmer zählten die Organisatoren an den beiden Veranstaltungstagen.

Im Mittelpunkt des Schweizer Forums standen Vorträge über Grundlagen und Einsatzszenarien Kontrollierter Sprache. Parallel dazu präsentierten elf Unternehmen Leistungen und Produkte für die Erstellung und Übersetzung Technischer Dokumentation sowie zur Umsetzung Kontrollierter Sprache.

Ziele Kontrollierter Sprache

Kontrollierte Sprache gilt als wirksames Instrument, um verständliche und rechtssichere Gebrauchs- und Betriebsanleitungen zu erstellen, die sich zudem effizient übersetzen lassen. Bei dieser Methode steht dem Technischen Redakteur ein genau eingegrenzter Wortschatz zur Verfügung, mit dem er nach einem bestimmten Regelwerk seine Texte verfassen kann. Technische Hilfsmittel, semantische Modelle und didaktische Instrumente sorgen dafür, dass zum Beispiel ein Warnhinweis vor einer Handlungsaufforderung steht oder Handlungsschritte in der logischen Reihenfolge dargestellt sind. Auf einen Nenner gebracht, hat kontrollierte Sprache folgende Ziele: Lesbarkeit, Eindeutigkeit, Konsistenz, logische Ordnung und Zielgruppenangemessenheit.

Simplified German – denkbar?

Eine Möglichkeit der Umsetzung kontrollierter Sprache zeigt das Vokabular und Regelwerk von “Simplified English”, geregelt durch den Standard ASD STE – AeroSpace and Defence Simplified Technical Englisch. Dieser Standard umfasst mittlerweile 900 Wörter und 61 Regeln und dient als Regelmechanismus für die Technische Dokumentation im Flugzeugbau und der Wehrtechnik.

Lässt sich dieser Regelmechanismus auch auf das Deutsche übertragen? Und wie müssen die Regeln aussehen, die für eine eindeutige Sprache sorgen sollen? Mit diesen und weiteren Fragestellungen beschäftigte sich das Vortragsprogramm des Schweizer Forums. Ein wesentliches Fazit lautete, dass sich Simplified English nicht eins zu eins auf die deutsche Sprache übertragen lässt. Auch ist es wichtig, dass die Sprache nach einem bestimmten Ansatz geregelt wird.

Zwei Ansätze zeigte Ursula Reuther vom IAI– dem Institut der Gesellschaft zur Förderung der Angewandten Informationsforschung an der Uni Saarbücken. Erster Ansatz: die “Positivliste”. Auf ihr stehen alle Punkte, die erlaubt sind. Diese Positivliste wird auch als präskriptiver Ansatz bezeichnet. Alle Strukturen sind vormodelliert, es entsteht eine hohe Konsistenz. Der Nachteil: Der Ansatz qualifiziert keine Fehler und benötigt einen hohen Schulungsaufwand.

Ansatz Nummer zwei, das Gegenstück, sozusagen die “Negativliste”, nennt sich proskriptiver Ansatz. Er zeigt auf, was sprachlich alles verboten ist. Dieser Ansatz lässt sich einfacher erlernen, allerdings bietet er mehr Raum für Varianten und gilt im Vergleich zum präskriptiven Ansatz als weniger effizient.
Die Ziele Kontrollierter Sprache lassen sich mit beiden Ansätzen erreichen, die Technische Redaktion sollte sich aber für einen der beiden entscheiden. Dies gilt besonders für den Fall, dass die Textqualität mit speziellen Werkzeugen überprüft werden soll, zum Beispiel mit der Anwendung “CLAT” vom IAI oder “acrocheck” von acrolinx aus Berlin.

Einsparpotenzial Übersetzung

Bezahlt macht sich der Einsatz Kontrollierter Sprache aber nicht nur bei der Erstellung Technischer Dokumentation. Deutliche Einsparpotenziale entstehen vor allem  bei der Übersetzung: Denn dem Vokabular der Quellsprache kann ein eindeutiges Vokabular in der Zielsprache zugeordnet werden. Hier rückt die Terminologiearbeit ins Blickfeld. Letztlich sorgt sie für die nötige Eindeutigkeit auch in anderen Sprachen. Dass diese Eindeutigkeit dringend geboten ist, demonstrierte Karin Trost, vom Übersetzungsdienstleister RKT, deren Mitarbeiter sich auf die Bezeichnung “Kraftzwerg” keinen Reim machen konnte. Damit gemeint war ein rüstfreundliches Spannwerkzeug. Die Bezeichnung tauchte in einem Werbetext auf, in der Zielsprache fehlte aber ein sprachliches Äquivalent.

Wissensnetze aufbauen

Im Vergleich zu anderen Bereichen ist Kontrollierte Sprache in der Technischen Dokumentation am deutlichsten einsetzbar. Zu diesem Ergebnis kam Dr. Stefan Bradenbrink von der reinisch AG. Schwieriger wird der Einsatz im Schulungs- oder Marketingbereich. Hier ist mehr sprachliche Flexibilität gefragt, obwohl auch dort Unmengen an Informationen entstehen. Es scheint sich ein “Informations-Overkill” abzuzeichnen, wenn nicht eigene Strategien das Finden von Information unterstützen, zum Beispiel durch Topics Maps oder RDF, dem Resource Description Framework. Mit den beiden Standards von W3C beziehungsweise ISO lässt sich Wissen modellieren. Inhalten werden Metadaten zugewiesen und damit verschlagwortet. Über die verschiedenen Wissensquellen spannt sich dann ein Netz, das für die Klassifizierung von Information und deren richtiges Auffinden sorgt.

Passende Instrumente

Wo viele Informationen im Spiel sind und es auf Strukturierung und Verwaltung ankommt, wird der Ruf nach einem Redaktionssystem laut. Drei Hersteller waren daher auch auf dem TECOM-Forum vertreten, und zwar Fischer Computertechnik aus Radolfzell, Schema aus Nürnberg und STAR Group aus Ramsen. Außerdem zeigten folgende Unternehmen Lösungen und Instrumente rund um Kontrollierte Sprache: Acrolinx GmbH aus Berlin, across Systems GMBH aus Karlsbad, Artech Limited aus Vaduz, bbi Software AG aus Oberdorf, reinisch Schweiz AG aus Zürich, euroscript Switzerland AG aus Kreuzlingen, RKT Übersetzungs- und Dokumentations-GmbH aus Schramberg sowie Sinteg AG aus Weisslingen.

Fazit

Die TECOM Schweiz verdeutlichte mit ihrem Vortragsprogramm, wie eng inzwischen Methoden, Instrumente und Systeme miteinander verwoben sind. Kontrollierte Sprache ist zwar vorrangig eine Methode zur Steigerung der Qualität technischer Texte in der Quell- und Zielsprache. Ausschlaggebend für ihre Umsetzung ist in erster Linie ein guter Redaktionsleitfaden. Aber wenn man den Referenten Glauben schenken darf, dann bietet sie sich auch als probates Hilfsmittel zur Umsetzung strukturierter Information an.
Für den Schweizer Fachverband TECOM, der inzwischen 379 Mitglieder zählt, ist die Fachveranstaltung aber auch ein willkommener Anlass zur Kontaktpflege zusätzlich zu den Feierabendgesprächen, die regelmäßig stattfinden. Entsprechend gut besucht war daher auch die Generalversammlung am Rande des Forums. Aufgrund der guten Resonanz sowie der Teilnahme von Nichtmitgliedern fassen die Organisatoren auch für 2008 eine Fortführung ins Auge.