Swissmem Seminar vom 25.10.2007 in Zürich
Swissmem Seminar: Die Anlagendokumentation – Ballast oder Erfolgsfaktor
Autor Marcel Tujetsch
Die Integration der Anlagedokumentation in die Unternehmensprozesse ist heute unerlässlich. Mit der Nachfrage nach komplexen, technisch und qualitativ hoch stehenden Produkten steigen auch die Anforderungen an die Dokumentation. Beim Swissmem Seminar wurde interessierten Zuhörern die gesamte Bandbreite dieses Themas vorgestellt.
Für den Unternehmer stellt sich eine Vielzahl von Fragen bezüglich der Anlagendokumentation. Welche gesetzlichen Anforderungen sind zu erfüllen? Wie kann damit die Sorgfaltspflicht erfüllt werden? Wie können die Dokumentationen als Beweismittel verwendet und gleichzeitig Haftungsrisiken ausgeschlossen werden? Mit welchen Methoden lassen sich Dokumentationen zeitgerecht behandeln und verwalten? Welches sind die Unterschiede der verschiedenen Systeme bezüglich praktischer Anwendung und Kosten und welche Entwicklungstendenzen bestehen? Die Wahl der Systeme, die konsequente Pflege und Weiterentwicklung sind wichtige Faktoren für die Wirkung auf den Kunden.
Das Seminar war an Geschäftsleiter, Führungskräfte aus den Bereichen Verkauf, Konstruktion, Entwicklung, Qualitätssicherung, sowie Verantwortliche der technischen Dokumentation gerichtet. Diese kommen aus den Bereichen Förder- und Lagertechnik, Umwelttechnik, Verfahrenstechnischer Maschinen- und Apparatebau.
Nicht nur Theorie, sondern auch Praktiker kamen zu Wort
Praxisbeispiele, aber auch die „theoretischen Vorträge“ zeigten, dass die Bedürfnisse und die Problemstellungen bei verschiedenen Unternehmen auf den ersten Blick sehr unterschiedlich sind, sich jedoch auf den zweiten Blick wieder ähnliche Situationen zeigen.
Die folgenden Referate boten ein tagesfüllendes Programm:
- Warum ist die Dokumentation so wichtig?
- Methoden für eine effiziente Dokumentation
- Praxis: VonRoll Inova
- Praxis: KASAG
- Praxis: Bruderer Maschinenbau
- Erfahrungsbericht: Geberit International
Folgende Schwerpunkte aus fachlicher Sicht kamen im Verlaufe des Tages zum Vorschein:
Rechtssicherheit
Die Sicherstellung der rechtlichen Korrektheit, die Anpassung an die neusten Normen und Verordnungen und die Sicherheit zu haben, dass keine Haftungsrisiken entstehen, ist für alle Unternehmen eine Herausforderung. Es scheint anhand der Vorträge sinnvoll zu sein, dass man sich zur Kontrolle dieser Problemstellung regelmässig die Unterstützung von externen Spezialisten hinzuzieht. Das Verfolgen der dauernden Weiterentwicklung der verschiedenen Normen, wie beispielsweise der Maschinenrichtlinie, aber vor allem das richtige Interpretieren und Umsetzen der Vorgaben braucht Spezialwissen, das idealerweise durch spezialisierte Fachkräfte hinzugeführt wird.
Zusammenarbeit mit Unterlieferanten
Die Situation, dass immer wieder Komponenten und Teilsysteme von Unterlieferanten zugekauft werden, macht das Zusammenführen und optimale Koordinieren der „idealen“ Dokumentation sehr schwierig. Da jede Unternehmung nach eigenen Vorgaben und Regeln dokumentiert ist eine reibungslose Integration von Lieferantendokumentation nahezu unmöglich. Es bestehen zwar Überlegungen wie solche Dokumentationen durch eine Standardisierung zusammengeführt werden können, aber die Wege zu diesem Ziel scheinen noch ziemlich steinig zu sein. Informationen zu einer möglichen Standardisierung im Anlagenbau sind im Web unter „Mumasy“ oder auch „DITA“ zu finden; wobei zurzeit in den Fachzeitschriften nur noch DITA erwähnt wird. Hier muss sich aber noch zeigen, ob dieser Standard von Softwareherstellern und Dienstleister nicht künstlich aufgebauscht wird.
Anforderungen an die Redaktion
Die Organisation und die sinnvolle Strukturierung der riesigen Informationsmengen stellt die technische Redaktion vor hohe Anforderungen und die effiziente und kostengünstige Umsetzung lässt sich heute nur noch mit unterstützenden Systemen (Redaktionssystemen) sicherstellen.
Dies bedeutet aber, dass ausser dem hohen Anspruch betreffend der korrekten Zusammenstellung der Informationen zusätzlich noch hohe Anforderungen an die Ausbildung und die abstrakten Denkfähigkeiten des Redaktors betreffend Modularisierung und Strukturierung von Informationen gestellt werden.
Ausbildungsstand der technischen Redaktoren
Aus dieser Sicht gesehen (hoher Anspruch an Methodik- und Technologie-Verständnis) lässt sich leider feststellen, dass in der Schweiz aber auch in Deutschland viel zu wenige ausgebildete Technische Redakteure zur Verfügung stehen. Dies hat oftmals zur Folge, dass technische Fachspezialisten (Ingenieure oder andere Mitarbeiter aus der Entwicklung) diese Aufgabe übernehmen und dabei ein Fachwissen rund um die technische Dokumentation nicht vorhanden ist und somit auch nicht einfliessen kann.
Es wäre darum wünschenswert, wenn die Unternehmungen vermehrt Wert darauf legen, dass mindestens in den Schlüsselstellen (bspw. Redaktionsleiter) Fachkräfte positioniert werden, welche sicherstellen, dass mit dem notwendigen Know-how sichere und rechtlich korrekte Dokumente hergestellt werden können.
